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Scherben bringen Glück
– was für die meisten Menschen bloß
ein Sprichwort ist, hat für Glasermeister
Stefan Schmitz aus Alsdorf weitreichende Bedeutung:
„So lange es Menschen gibt, wird es zum
Glück auch kaputte Fenster geben.“
Eine Erkenntnis, die ihn beruhigt in die Zukunft
blicken lässt. Der 30-Jährige übernahm
den Glaser- und Malerbetrieb der Eltern Franz
und Christa Schmitz, geborene Pöttgen.
Ein Traditionsunternehmen - seit der Gründung
1901 ist er der vierte Firmeninhaber.
Alsdorf.
Es könnte eine wie-der-Vater-so-der-Sohn-Geschichte
im klassischen Sinne sein. Wenn da nicht die
Mutter wäre, die nach ihrer kaufmännischen
Ausbildung 1956 in den Maler- und Glaserbetrieb
ihres Vaters Hans Pöttgen einstieg. „Frisch
von der Handelsschule kommend, war das ein Sprung
in kalte Wasser“, erinnert sie sich. Doch
sie hielt sich in dem von Männern dominierten
Handwerk über Wasser.
Und wie: Während Vater Hans mit zeitweise
bis zu zwölf Angestellten im Außendienst
die Kunden zufrieden stellte, behielt die Tochter
im Büro gewissenhaft den buchhalterischen
Durchblick. Den Alltag in einem mittelständischen
Unternehmen hatte die heute 61-Jährige
eh schon seit frühester Kindheit intensiv
miterlebt. „Zu Zeiten meines Großvaters
Heinrich, der die Firma 1901 an der Mariensäule
11 gründete, wurden die Farben noch von
Hand gerührt. Das ist aber sehr lange her...“
Ein Sohn sollte her“ So zumindest der Wunsch
von Hans Pöttgen. Doch nicht alle Wünsche
gehen in Erfüllung. „Natürlich
hat er sich einen Sohn gewünscht, allein
schon wegen der Betriebsübernahme“,
weiß Christa Schmitz. Dass es am Ende
„nur“ zwei Töchter wurden, hat
er aber dann ganz gut verkraftet.
Und außerdem: Mit Schwiegersohn Franz,
der 1958 in die Firma einstieg und Christa 1964
heiratete, wurde der Traum vom Firmennachfolger
doch noch wahr. „Alles, was ich in meinem
Berufsleben brauchte, habe ich von meinem Schwiegervater
gelernt“, sagt der heute 60-jährige
Franz Schmitz, der 1962 seine Malermeisterprüfung
ablegte und nach dem Ausscheiden von Hans Pöttgen
1975 den Betrieb übernahm.
Die Zusammenarbeit mit dem Schwiegervater sei
nicht immer reibungslos verlaufen. „Als
der junge Nachfolger hatte ich natürlich
eigene Ideen. Mit der Umsetzung, das war dann
aber so eine Sache. Doch das ist völlig
normal, wenn verschiedene Generationen in einem
Betrieb zusammenarbeiten.“
Mit Glasermeister Stefan Schmitz wagt nun die
vierte Generation den Sprung in die unternehmerische
Zukunft. Der 30-Jährige, der 1993 seine
Prüfung zum Glasergesellen ablegte und
mit seinem Gesellenstück – einer Bleiverglasung
– zweiter Landessieger wurde, entdeckte
schon in der Schulzeit nicht nur die Liebe zum
Material Glas, sondern auch zum künstlerischen
Umgang damit. „Kunst war eines meiner Abiturfächer.
Und dass mir die Arbeit mit Glas Spaß
macht, habe ich schnell gemerkt, als ich aushilfsweise
mitgearbeitet habe“, sagt Stefan Schmitz.
Was ihn besonders fasziniert, sind die vielfältigen
Möglichkeiten, die ihm das sensible Material
bietet. „Ob Möbel-, Sandstrahlarbeiten
oder die Gestaltung von Kirchenfenstern –
der Beruf des Glasers hat viel mehr zu bieten
als das Einsetzen einer Fensterscheibe“,
sagt Schmitz, der zwar jetzt sein eigener Herr
ist, auf die wertvollen Ratschläge seiner
Eltern aber keineswegs verzichten will. „Es
ist gut zu wissen, dass ich auf ihre Erfahrung
zurückgreifen kann“, meint der Jungunternehmer,
der zurzeit einen Lehrling beschäftigt.
Das soll sich auch in Zukunft nicht ändern.
„Mein Betrieb soll klein und überschaubar
bleiben“, sagt er, „schließlich
will ich selbst weiter im Kundeneinsatz bleiben.
Nur Rechnungen und Angebote schreiben, das wäre
mir zu einseitig. Das hätte dann nichts
mehr mit dem Beruf zu tun, den ich so gerne
ausübe.“
Und Vater Franz will ihn dabei – wenn auch
mit angezogener Handbremse – unterstützen.
Nach 47 Berufsjahren kann er sich nicht vorstellen,
von heute auf morgen aus dem Betrieb auszuscheiden.
„Stundenweise will ich schon noch mitarbeiten.“
Genug zu tun gibt es in jedem Fall. Denn so
lange es Menschen gibt, wird es kaputte Fenster
geben. Zum Glück.
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